Schlaganfall Prophylaxe


Dem Gehirn „geht die Luft aus“
Der Schlaganfall und wie man ihm vorbeugen kann

Milliarden von Nervenzellen in unserem Gehirn sind immer in Betrieb – egal ob wir wach sind oder schlafen. Um diese ständige Leistung aufrecht halten zu können, braucht das Gehirn viel Sauerstoff und andere Nährstoffe über das Blut.

Kommt es zu einer plötzlichen Durchblutungsstörung des Gehirns, droht ein Schlaganfall. Er kann durch einen Gefäßverschluss oder durch eine Verletzung – Platzen oder Einreißen – eines Blutgefäßes ausgelöst werden. Die Folgen sind die gleichen: die Nervenzellen leiden unter Sauerstoffmangel und gehen zu Grunde.

Je nachdem wie viele und welche Zellen betroffen sind, kommt es zu verschiedenen Auswirkungen: Lähmungen, Taubheitsgefühl, Sprech- oder Sehstörungen, ev. Verlust der Sprache, Gedächtnislücken, Schwindel.

Verengung der Halsschlagader

Verengung wurde durch Einsetzen eines Stents beseitigt

Warnsignale:

Bei folgenden Warnsignalen muss man an einen drohenden Schlaganfall denken

  • Plötzliche Muskelschwäche oder Taubheitsgefühl in Gesicht, Armen oder Beinen
  • Seh- oder Hörstörungen
  • Schwindelgefühl
  • Unsicheres Gehen
  • Sprech- und Schluckstörungen
  • Bislang unbekannter, plötzlich einsetzender starker Kopfschmerz

Diese Beschwerden können manchmal nach kurzer Zeit wieder vorbei sein. Sie sind aber trotzdem gefährlich und verlangen eine dringliche Abklärung. Dazu gehört eine Ultraschall-Untersuchung der Halsschlagadern um Engstellen rechtzeitig erkennen zu können. Die Beseitigung der Einengung erfolgt chirurgisch oder – seit kurzem – durch Einsetzen eines Stents.


Diagnostik und Behandlung eines Schlaganfalls

Gleichgültig, wo und wann ein Schlaganfall auftritt, entscheidend ist die möglichst schnelle Hilfe. Je rascher ärztliche Hilfe einsetzt, desto besser. Deshalb zögern Sie nicht, alarmieren Sie den Notarzt. Auch dann, wenn die betreffende Person nur über leichte Beschwerden klagt.
Mit der Behandlung des Patienten beginnt bereits der Notarzt. Dabei stehen die lebensrettenden Sofortmaßnahmen im Vordergrund. In der Klinik werden zusätzlich sofort die nötigen diagnostischen Schritte eingeleitet. Es muß geklärt werden, um welche Form des Schlaganfalls es sich handelt. Für die Behandlung ist es ein großer Unterschied, ob der Schlaganfall durch ein verstopftes Hirngefäß oder durch eine Blutung verursacht wurde. Auch andere Kriterien, wie z. B. die Schwere des Schlaganfalls, haben Einfluss auf die Therapie.
Die Basisbehandlung ist praktisch für alle Formen des Schlaganfalls gleich. Es wird dafür gesorgt, dass der Patient genügend Sauerstoff und Flüssigkeit erhält, die Blutdruck- und Blutzuckerwerte in einem günstigen Bereich liegen und kein Fieber auftritt. Außerdem werden alle lebenswichtigen Körperfunktionen intensiv überwacht. Die spezifische Behandlung richtet sich nach der Ursache des Schlaganfalls. Wenn ein Blutgerinnsel das Gefäß verstopft hat und der Beginn des Schlaganfalls nur wenige Stunden zurückliegt, kann in spezialisierten Behandlungszentren der Versuch unternommen werden, das Gerinnsel medikamentös aufzulösen. Man nennt dieses Verfahren ‚Thrombolyse‘. Alternativ kann das Gerinnsel mit einem Spezialkatheter aus der Gehirnarterie entfernt werden (die sogenannte ‚Endovaskuläre Therapie‘). Bei einer Blutung oder bei Komplikationen kann eine Operation notwendig sein.
Auch die Vorbeugung, um einen erneuten Schlaganfall zu verhindern, beginnt schon in der Klinik. Sie richtet sich ebenfalls nach den Ursachen. Medikamente und Methoden, die hier zum Einsatz kommen sind Thrombozytenfunktionshemmer, Gerinnungshemmer oder auch die Beseitigung einer Engstelle. Sobald es der Zustand des Patienten zulässt, wird mit der Mobilisation und Frührehabilitation begonnen. Die Patienten lernen unter Anleitung der Therapeuten, die beeinträchtigten Funktionen zurückzugewinnen. Falls erforderlich, kann im Anschluss eine meist mehrwöchige Rehabilitation begonnen werden.

Das begünstigt einen Schlaganfall

Zu den wichtigsten Risikofaktoren für den Schlaganfall gehören:

  • Bluthochdruck und Rauchen
  • Erhöhte Cholesterinwerte
  • Diabetes (=Zuckerkrankheit)
  • Übermäßiger Alkoholkonsum
  • Stress und Bewegungsmangel
  • Bestimmte Herzerkrankungen
  • Übergewicht
  • Einnahme der Pille
In Österreich erleiden pro Jahr ca. 20.000 Menschen einen Schlaganfall

Um einem Schlaganfall vorzubeugen sollten Sie beim Vorliegen von Risikofaktoren und im höheren Alter regelmäßig ihre Gefäße untersuchen lassen.

Die Ultraschalldiagnostik ist schmerzlos, ungefährlich und kann leicht durchgeführt werden.

Dabei werden die Blutgefäße im Hals auf Verengungen hin untersucht; ergänzend wird ein EKG zur Feststellung eventueller Herzrhythmusstörungen durchgeführt.

„Alle diese Untersuchungen führe ich in meiner Ordination durch.“Prof. Dr. Erich Minar
Mögliche Folgen eines Schlaganfalls

Trotz der Fortschritte in der Medizin sind bleibende Behinderungen nicht immer abzuwenden. Einige Wochen nach einem Schlaganfall kann abgeschätzt werden, mit welchen Langzeitschäden gerechnet werden muss. Häufig sind Lähmungen, Gefühlsstörungen oder Sprachstörungen, oft begleitet von Konzentrationsstörungen und rascher Ermüdbarkeit. Aber so kritisch der Zustand des Betroffenen am Anfang auch sein mag: im Laufe der Behandlung sind oft große Fortschritte möglich. Man kann verlorene Fähigkeiten zum Teil wieder erlernen, da Nervenzellen ‚umdenken‘ können, also andere Aufgaben übernehmen. Und auch später kann es durch intensives und anhaltendes Üben noch zu Verbesserungen kommen, die man anfänglich kaum für möglich hielt.
Glücklicherweise ist unser Gehirn in der Lage, bestimmte Ausfälle auszugleichen. Die betroffenen Funktionen wie Sprachverständnis oder auch Bewegungsabläufe müssen aber intensiv und geduldig wieder gelernt und geübt werden. Dies geschieht mit den ausgeklügelten Methoden der neurologischen Rehabilitation. Sie kann vielfach wieder die Aussicht auf ein aktives Leben eröffnen. Ziel der Rehabilitation ist es, dem Patienten die Wiedereingliederung in das Berufs- und Privatleben zu ermöglichen und ihm Selbständigkeit und Unabhängigkeit weitgehend zurückzugeben. Dies ist ein langer Prozess, der auch nach der Entlassung aus der Rehaklinik fortgeführt werden muß. Ein bereits erzielter Fortschritt kann wieder verloren gehen, wenn er nicht unablässig geübt wird.

Behandlung

Die Behandlung erfolgt im Team, das von einem Arzt geleitet wird. Ihm stehen spezielle Therapeuten, Schwestern und Pfleger zur Seite. Der Arzt stellt mit seinem Team einen individuellen Behandlungsplan auf:

  • Durch krankengymnastische Übungen werden die Beweglichkeit verbessert, die Muskulatur gestärkt und eine Verkrampfung der Muskulatur gelockert.
  • Sprachstörungen werden durch speziell ausgebildete Sprachtherapeuten behandelt.
  • Die Ergotherapie fördert das Zurechtfinden im täglichen Leben und übt beispielsweise den Umgang mit Haushaltsgeräten, das An- und Ausziehen oder die körperliche Hygiene. Hier werden Sie auch beraten, welche Hilfsmittel für Sie in Frage kommen.
  • Störungen der Merk-, Gedächtnis oder Konzentrationsleistungen werden durch Übungsprogramme gebessert, die individuell auf jeden Patienten zugeschnitten sind.

Wichtige Hilfestellungen ganz praktischer Art leisten die Sozialarbeiter. Sie wissen, welche beruflichen oder finanziellen Hilfen und Unterstützungen Ihnen zustehen. Auch wenn es darum geht, Lösungen beim Übergang in die ambulante Rehabilitation am Wohnort zu finden, sind sie die richtigen Ansprechpartner.