Univ.-Prof. Dr. Erich Minar, Gefäßspezialist, Facharzt für Innere Medizin
Die Schaufensterkrankheit
Ein harmloser Name für eine ernste Erkrankung
Ohne Sauerstoff kein Leben. Jede Zelle unseres Körpers ist auf diesen Energiespender angewiesen. Sauerstoff gelangt mit dem Blut zu den Geweben und Organen. Eine gute Durchblutung ist daher Voraussetzung für eine gute Versorgung mit Sauerstoff. Die Blutgefäße, die den Transport des sauerstoffreichen Blutes zu den Organen übernehmen, sind die Arterien, auch 'Schlagadern' genannt.
Wenn immer wiederkehrende Beinschmerzen zu häufigem Stehenbleiben zwingen - wie beim Schaufensterbummel - spricht man von der 'Schaufensterkrankheit'. Sie wird durch Durchblutungsstörungen der Beinarterien hervorgerufen und heißt medizinisch 'periphere arterielle Verschlusskrankheit' (kurz PAVK).
Diese Erkrankung ist trotz ihres harmlosen Namens sehr ernst und tritt häufig auf: etwa 10% der über 65-jährigen leiden daran. Insbesondere Raucher, Diabetiker und Menschen mit erhöhten Blutfettwerten sind gefährdet. Es handelt sich um eine chronische, fortschreitende Erkrankung, die häufig mit anderen Krankheiten z.B. Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße oder der hirnversorgenden Gefäße gekoppelt ist. Tatsächlich sind bei der PAVK im fortgeschrittenen Stadium zu 90% auch die Herzkranzarterien und zu 70% auch die Halsschlagadern betroffen. Das bedeutet: bei der PAVK besteht ein stark erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Das sogenannte 'Raucherbein' bezeichnet eine bereits fortgeschrittene PAVK. Je früher die Schaufensterkrankheit erkannt wird und je früher Risikofaktoren ausgeschaltet werden, desto eher kann ein Fortschreiten gestoppt werden.