Univ.-Prof. Dr. Erich Minar, Gefäßspezialist, Facharzt für Innere Medizin
Weiße oder blaue Finger: Das Raynaud-Syndrom
Kleinere Arterien verkrampfen
Anfallsartige Durchblutungsstörungen in den Fingern werden als Raynaud-Syndrom bezeichnet. Die Symptome - Weißwerden einzelner Finger oder der ganzen Hand, gefolgt von einer tiefblauen und anschließend roten Verfärbung - treten besonders bei Kälte auf. Die Ursache dafür sind Verkrampfungen von kleineren Arterien.
Der menschliche Körper braucht eine halbwegs konstante Kerntemperatur, um richtig funktionieren zu können. Die Temperatur wird dadurch gehalten, dass sich die Blutgefäße in kalter Umgebung verengen um dem Wärmeverlust entgegenzuwirken, und sich in warmer Umgebung erweitern, damit sich die Hitze nicht staut. An dieser Regulation sind Nerven, Blutplättchen, Hormone sowie die Gefäß-Innenwand (=Endothel) beteiligt.
Bei Personen mit Raynaud scheint diese normale Reaktion übermäßig aufzutreten, wobei sich die kleinen Arterien in Händen, Füßen, Ohren, Wange, Nase und sogar sehr selten der Brustwarzen zusammenziehen. Das Blut kann so nicht in die Extremitäten gelangen. Durch das plötzliche krampfartige Zusammenziehen erscheinen die Finger bzw. Zehen plötzlich weiß, dann bläulich, kalt, starr und gefühllos. Ist die Attacke vorbei, meist in wärmerer Umgebung, laufen die Finger (Zehen) dunkelrot an, beginnen zu beißen, jucken, brennen, stechen oder pochen. Die Anfälle können wenige Minuten bis mehrere Stunden andauern.